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Schritt 4: Anschlussart und Betätigung wählen

Die Anschlussart muss zur Rohrleitung passen:

  • Flansch: lösbar, verbreitet in Industrieanlagen, nach Normen wie EN 1092-1 oder ASME B16.5
  • Zwischenflansch und Anflansch: typisch für Absperrklappen, kompakt zwischen zwei Rohrflanschen
  • Gewinde: vor allem bei kleinen Nennweiten
  • Anschweißenden: dauerhaft dicht, für Leitungen, die selten geöffnet werden

Für die Betätigung gibt es Handhebel, Getriebe sowie pneumatische und elektrische Stellantriebe. Ein genormter Kopfflansch nach EN ISO 5211 erleichtert die spätere Automatisierung.

Praxisbeispiele: Kugelhahn, Kükenhahn oder Absperrklappe?

Kugelhahn

Im Kugelhahn sperrt eine drehbare Kugel mit Bohrung den Durchfluss. Bei voll geöffneter Armatur ist der Druckverlust gering. Kugelhähne werden vor allem zum Absperren eingesetzt.

Beispiel: In einer Prozessleitung soll ein Medium häufig und schnell auf- und zugeschaltet werden. Ein Kugelhahn mit pneumatischem Antrieb ist hier eine typische Lösung. Ist die Leitung eingeschweißt, bietet sich ein 3-teiliger Kugelhahn an: Das Mittelteil lässt sich zur Wartung entnehmen, ohne die Schweißnähte zu trennen.

Kükenhahn

Im Kükenhahn sperrt ein drehbarer Kegel oder Zylinder mit Durchgang, das Küken. Es gibt auch Mehrwege-Ausführungen, mit denen sich Strömungen umschalten lassen. Kükenhähne mit Kunststoffauskleidung werden in der Chemie für aggressive Medien eingesetzt.

Beispiel: Ein Medium soll wahlweise in zwei verschiedene Behälter geleitet werden. Ein Mehrwege-Kükenhahn ersetzt hier mehrere einzelne Armaturen. Ob er für das Medium geeignet ist, hängt von Auskleidung und Dichtung ab und muss im Einzelfall geprüft werden.

Absperrklappe

In der Absperrklappe sitzt eine drehbare Scheibe im Durchgang. Absperrklappen haben eine kurze Baulänge und ein geringes Gewicht, besonders bei großen Nennweiten.

Beispiel: Eine Kühlwasserleitung mit großer Nennweite soll platzsparend abgesperrt werden. Eine Absperrklappe in Zwischenflanschausführung ist hier eine wirtschaftliche Lösung. Für höhere Drücke und Temperaturen gibt es Hochleistungs-Absperrklappen, für aggressive Medien ausgekleidete Absperrklappen.

 

Checkliste für Ihre Anfrage

Mit diesen Angaben können wir die passende Armatur für Sie auslegen:

  • Medium mit Konzentration und Begleitstoffen
  • Betriebsdruck, auch Druckstöße und Unterdruck
  • Minimale und maximale Betriebstemperatur
  • Nennweite und benötigter Durchfluss
  • Aufgabe: Absperren, Regeln oder Umschalten
  • Anschlussart und Norm
  • Gewünschte Betätigung

 

Schritt 3: Werkstoffe festlegen

Unterscheiden Sie zwischen Gehäusewerkstoff und den Werkstoffen von Innenteilen und Dichtungen:

  • Gehäuse: zum Beispiel Grauguss, Sphäroguss, Stahl, Edelstahl, Sonderwerkstoffe oder Kunststoff. Für aggressive Medien gibt es Gehäuse mit Kunststoffauskleidung.
  • Dichtungen und Sitze: zum Beispiel Elastomere wie EPDM, NBR oder FKM sowie PTFE. Jeder Werkstoff hat eigene Grenzen bei Medium und Temperatur. EPDM wird etwa häufig für Wasser eingesetzt, ist für Mineralöle aber in der Regel ungeeignet.

Beständigkeitslisten der Hersteller geben eine erste Orientierung. Sie ersetzen aber nicht die Prüfung im Einzelfall, denn Konzentration, Temperatur und Begleitstoffe verändern die Beständigkeit.

Ratgeber: Die richtige Industriearmatur auswählen

Ratgeber
Industriearmaturen

Schritt 1: Die Betriebsbedingungen klären

Medium

Das Medium bestimmt vor allem die Werkstoffe und die Bauart. Klären Sie diese Punkte:

  • Aggregatzustand: Flüssigkeit, Gas, Dampf oder Gemisch
  • Chemische Zusammensetzung: genaue Bezeichnung, Konzentration und Begleitstoffe
  • Feststoffe: Partikel, abrasive Anteile oder Neigung zu Ablagerungen und Kristallisation
  • Viskosität: dünnflüssig oder zäh
  • Gefährdungspotenzial: Für giftige oder umweltgefährdende Medien gelten erhöhte Anforderungen an die Dichtheit nach außen, etwa nach TA Luft.

Druck

Die Druckstufe einer Armatur wird als Nenndruck angegeben, in Europa als PN (z. B. PN 16), nach amerikanischer Norm als Class (z. B. Class 150). Der Nenndruck gilt für eine Bezugstemperatur. Bei höheren Temperaturen sinkt der zulässige Druck. Maßgeblich ist deshalb das Druck-Temperatur-Diagramm des Herstellers. Berücksichtigen Sie auch Druckstöße und mögliche Unterdruckzustände.

Temperatur

Geben Sie die minimale und maximale Betriebstemperatur an, auch kurzzeitige Spitzen etwa bei Reinigung mit Dampf. Häufig begrenzen nicht das Gehäuse, sondern die Dichtungswerkstoffe den Temperaturbereich. Für tiefkalte Medien gibt es Ausführungen mit verlängertem Spindelaufsatz, der die Spindelabdichtung von der Kälte fernhält.

Nennweite und Durchfluss

Die Nennweite (DN) beschreibt die Größe des Anschlusses. Für den Durchfluss ist zusätzlich der Kv-Wert wichtig. Er gibt an, wie viele Kubikmeter Wasser pro Stunde bei 1 bar Druckverlust durch die vollständig geöffnete Armatur fließen. Je höher der Kv-Wert, desto geringer der Druckverlust. Bei Absperrarmaturen entspricht die Nennweite meist der Rohrleitung. Regelarmaturen werden dagegen nach dem benötigten Kv-Wert ausgelegt und können kleiner sein.

 

Schritt 2: Absperren oder Regeln?

Die Aufgabe der Armatur entscheidet über die Bauart:

  • Absperren: Die Armatur ist entweder ganz offen oder ganz geschlossen. Gefordert sind gute Dichtheit und ein geringer Druckverlust im geöffneten Zustand.
  • Regeln: Die Armatur stellt einen Zwischenwert ein, etwa einen bestimmten Durchfluss oder Druck. Gefordert ist eine gleichmäßige Kennlinie über den Stellbereich.

Eine Absperrarmatur dauerhaft teilweise geöffnet zu betreiben, kann Sitz und Dichtflächen schädigen. Für Regelaufgaben sollten Sie deshalb eine Armatur wählen, die der Hersteller dafür vorsieht.

Die richtige Industriearmatur auswählen

Die richtige Armatur für eine Industrieanlage ergibt sich aus den Betriebsbedingungen. Entscheidend sind das Medium, Druck und Temperatur, die Nennweite und der benötigte Durchfluss. Hinzu kommen die Aufgabe der Armatur, also Absperren oder Regeln, sowie Werkstoffe und Anschlussart. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, worauf es ankommt.

Stand: Oktober 2026 · SL Armaturen & Antriebe, Korschenbroich

 

Häufige Fragen

Klären Sie zuerst Medium, Druck, Temperatur, Nennweite und Durchfluss. Legen Sie dann fest, ob die Armatur absperren oder regeln soll. Daraus ergeben sich Bauart, Werkstoffe und Anschlussart. Die Eignung für Ihre Anwendung sollte immer anhand der Herstellerangaben geprüft werden.

Beide geben die Druckstufe einer Armatur an. PN ist die Bezeichnung nach europäischen Normen, Class nach amerikanischen Normen. Die Werte lassen sich nicht direkt eins zu eins umrechnen.

Der Kv-Wert gibt an, wie viele Kubikmeter Wasser pro Stunde bei 1 bar Druckverlust durch die Armatur fließen. Er dient zum Vergleich von Armaturen und zur Auslegung von Regelarmaturen.

Standard-Kugelhähne sind zum Absperren gedacht. Wird ein Kugelhahn dauerhaft teilweise geöffnet betrieben, können Sitze und Dichtflächen beschädigt werden. Für Regelaufgaben gibt es spezielle Ausführungen oder Regelventile.

Absperrklappen sind kürzer und leichter, besonders bei großen Nennweiten. Sie sind deshalb oft die wirtschaftlichere Lösung, wenn Platz und Gewicht eine Rolle spielen. Kugelhähne haben im geöffneten Zustand einen geringeren Druckverlust.

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Beständigkeit hängt von Medium, Konzentration, Temperatur und Begleitstoffen ab. Wir prüfen die Eignung für Ihre Anwendung anhand der Herstellerangaben.